Hugo von Hofmannsthal – „Was ist die Welt“

Hugo von Hofmannsthal – „Was ist die Welt“ (1890) III

Rezitation: Dieter Mann
von der CD „Hofmannsthal – Die schönsten Gedichte

Text:

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,
Begabt mit eigner, unentweihter Schöne,
Und keines Andern Nachhall, Widerschein.

Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,
Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.

Geschrieben: 4. Juni 1890 (Hofmannsthal war gerade mal 16 Jahre alt, als er diesen Text schrieb)

Bilder: Collage

2 Wochen her
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„Ich glaube, daß es keine andere Krankheit der Zeit gibt als Unwissenheit und Unredlichkeit.“
(Adalbert Stifter; * 23. Oktober 1805; † 28. Januar 1868)