Johann Christian Günther – „Abendlied“

Johann Christian Günther – „Abendlied“

Rezitation: Reiner Unglaub
von der CD „Komm, Trost der Nacht. Deutsche Lyrik des 16. und 17. Jahrhunderts

Text:

Der Feyerabend ist gemacht,
Die Arbeit schläft, der Traum erwacht,
Die Sonne führt die Pferde trincken;
Der Erdkreiß wandert zu der Ruh,
Die Nacht drückt ihm die Augen zu,
Die schon dem süßen Schlafe wincken.

Ich, Schöpfer, deine Creatur,
Bekenne, daß ich auf der Spur
Der Sünder diesen Tag gewandelt;
Ich habe dein Verboth verlezt,
Mich dir in allem widersezt
Und wider meine Pflicht gehandelt.

Doch weil ein Quintchen Vaterhuld
Viel tausend Centner meiner Schuld
Durch dein Erbarmen überwieget,
So gieb Genade vor das Recht
Und zürne nicht auf deinen Knecht,
Der sich an deinen Füßen schmieget.

Mein Abendopfer ist ein Lied,
Das dir zu dancken sich bemüht,
Die Brust entzündet Andachtskerzen;
Gefällt dir dieser Brandaltar,
So mache die Verheißung wahr:
Gott heilet die zerschlagne Herzen.

Das müde Haupt sinckt auf den Pfuehl,
Doch wo ich ruhig schlafen will,
So muß ich deinen Engel bitten;
Der kan durch seine starcke Wacht
Mich vor dem Ungethüm der Nacht
Um meine Lagerstatt behüten.

Bilder: Collage

3 Tage her
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„Das Formular ist, neben dem Schalter, das wirksamste Mittel, dem Bürger Respekt abzunötigen.“
(Werner Finck; * 2. Mai 1902; † 31. Juli 1978)