Ein schönes Lied

Erdmöbel singen Ein schönes Lied nach dem Original von Franz Josef Degenhardt.

Komm, sing uns mal ein schönes Lied,
komm, sing uns mal ein schönes Lied,
eines, wo man sich so richtig gut nach fühlt,
eins, das nicht in Schmutzgefühlen wühlt,
wohl makaber, aber unterkühlt,
vertraut, verspielt,
verspielt, vertraut
und nicht zu laut.

Nun gut: Hier ist ein schönes Lied,
eines, das euch in den Halsspeck geht.
Schließt die Augen halb, und dreht die Lampen klein,
schmaucht’s Pfeifchen und gießt Gin und Tonic ein.
Macht auf Tiefsinn, decket Bein mit Bein,
zum Scherz und Schein
und Schein und Scherz,
massiert das Herz.

Im Busch, nah bei Quang Ngai, fand
ein gebranntes Kind die Hand
eines Generals mit Ringen, gold und schwer.
Die Steine biß es raus und kroch zum Meer.
Und für ein altes Boot gab es sie her.
’s war leck und leer
und leer und leck,
verkohlt das Deck.

Doch nichts verstopft ein Leck so gut
wie Asche und ein bißchen Blut.
Und niemand weiß so viel wie ein gebranntes Kind.
Als Segel hängt ein Khakihemd im Wind,
der auch nicht weiß, wo jene Blumen sind,
gepflückt geschwind,
geschwind gepflückt.
Im Traum entrückt,

da treibt das Kind zu jenem Land,
da riecht die Erde nie verbrannt,
und jeden Tag, da gibt es viele Hände Reis.
Haut und Haar und Wind und Wasser sind nicht heiß.
Auf Blumenbooten blähen Segel weiß,
weht lind und leis
und leis und lind
ein Lied im Wind.

Und wird vielleicht ein starker Mann,
der, was er will, auch haben kann:
viele Kinder, dick, mit Händen und gesund,
ein Reisfeld, einen Büffel, einen Hund,
der jeden, der mit Feuer spielt, reißt und
bekannt und bunt,
bunt und bekannt
ist in dem Land.

So treibt das Boot, so träumt das Kind.
Was meint ihr, wann sie drüben sind?
Dann, wenn hinterm Mond ein Stern zerplatzt ist, dann,
wenn grüne Luft nichts weiter sein kann
als Regenbogenlicht, dann kommt es an
mit Maus und Mann
und Mann und Maus
das Boot zu Haus.

Nun, war das nicht ein schönes Lied,
nun, war das nicht ein schönes Lied?
Eines, wo man sich so richtig gut nach fühlt?
Eins, das nicht in Schmutzgefühlen wühlt?
Wohl makaber, aber unterkühlt,
vertraut, verspielt,
verspielt, vertraut
und nicht zu laut?

vor 5 Jahren
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„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
(Thomas Morus; 7. Februar 1478; † 6. Juli 1535)