Franz Josef Degenhardt – Hochzeit

Franz Josef Degenhardt – Hochzeit …

Album: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – Franz Josef Degenhardt ‎| 1965

℗ 1965 Electrola, a division of Universal Music GmbH

Producer: Jimmy Bowien
Composer Lyricist: Franz Josef Degenhardt


 Nächstens oder Mittwoch, morgen oder gleich
hocken wieder schwarze Vögel auf dem Deich.
Jemand steht auf einem Eimer, mit der Hand
Droht er und stößt Wolken in das Land.
Beweg dich nicht. Wo ist dein Mund?
Schließ noch nicht die Augen, sieh in den Himmel, und
dann merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh? der große Bär ihn frisst.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh? man die Windrose bricht.

Mach unsern Kindern Kleider aus Fischhaut und Asbest.
Näh die schwarzen Brillen an ihren Ohren fest.
Auf dem Schulweg solln sie dicht an Mauern gehen,
nie vom Himmel weg zu Boden sehn.
Jede Nacht ruf ich sie wach,
reite für ein Weilchen mit ihnen auf dem Dach.
Und zeig ihnen genau,
wo der Polarstern steht,
eh? der große Bär ihn frisst.
Ritz jedem in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh? man die Windrose bricht.

Keine Tasse halten wir in unserm Schrank.
Gold zerschmilzt, wir füllen Schnaps in einen Tank,
werfen Grundsteinstückchen flach über dem Fluß-
ein Orakel, das uns sagen muß:
Springt ein Grundstein dreimal hoch,
habt ihr noch ein Weilchen, vielleicht drei Tage noch.
Drum merkt euch ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh? der große Bär ihn frisst.
Und ritzt euch in die Hand
Die Marschzahl, wenn es geht,
eh? man die Windrose bricht.

Schließ jetzt deine Augen. Hochzeit halten wir.
Schnuppen falln vom Himmel, noch schläft der große Bär.
Wünsch uns in ein Mondschiff, das seinen Kurs nicht hält
und weiterfliegt bis an den Rand der Welt.
Die Jungfrau flackert – schon vorbei -
und Kassiopeia lacht. Die Milchstraße ist frei.
Schau raus, merk dir genau,
wo der Polarstern steht,
eh? der große Bär ihn frisst.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh? man die Windrose bricht.

Wer wird jemals finden, wo unser Bette was?
Unter dieser Linden brennt schon bald das Gras.
Wer spielt unsre Spiele, liegt dann nachts noch wach.
rechnet noch mal unsre Chancen nach?
Beweg dich nicht. Wo ist dein Mund?
Öffne deine Augen, sieh in den Himmel, und,
dann merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh? der große Bär ihn frisst.
Ich ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh? man die Windrose bricht.

 

 

vor 55 Jahren
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„Lächeln ist die eleganteste Art, seinen Gegnern die Zähne zu zeigen.“
(Werner Finck; * 2. Mai 1902; † 31. Juli 1978)