Rumpelstilzchen

Uli Rademacher singt eine frühe Coverversion des Degenhardt-Klassikers »Rumpelstilzchen« von der gleichnamigen Schallplatte aus dem Jahr 1963.

Rumpelstilzchen

  • Wenn morgens schon die Schule brennt,
  • wenn ein Pfarrer aus der Kirche rennt,
  • ein Schutzmann in die Pfütze fällt,
  • ein Hund durch ein Museum bellt,
  • wenn der friedhofswärter, der niemals trinkt,
  • noch am offnen Grab an zu lachen fängt,
  • wenn der Mond sich vor die Sonne schiebt
  • und ein Greis ein Mädchen von siebzehn liebt,
  • da habe ich, mal kaum, mal viel, die Hand im Spiel.
  • Ich bin mit jedem blutsverwandt,
  • doch bleibt mein Name ungenannt.
  • Es ist gut, dass niemand weiß,
  • dass ich Rumpelstilzchen heiß.
  • Hemba – hemba hé
  • Hemba – hemba hé

 

  • Soldaten, wenn sie vor der Schlacht
  • heimlich rückwärts lauern und ganz sacht
  • die Waffen von den Schultern ziehn,
  • nicht glauben, dass die Feinde fliehn,
  • wenn ein Richter vorm Automaten steht,
  • einen Blechknopf zwischen Fingern dreht,
  • seine Frau, schon ziemlich angegraut,
  • verträumt nach Italienern schaut,
  • die lachend um die Ecke gehen und stark aussehn,
  • da pfeif´ ich einen leisen Ton
  • und flüstre: „Na, nun macht doch schon."
  • Es ist gut, dass niemand weiß,
  • dass ich Rumpelstilzchen heiß.
  • Hemba – hemba hé
  • Hemba – hemba hé

 

  • Ich bin es, der so oft bei Nacht
  • unterm Bett liegt und so hämisch lacht,
  • und der, der hinterm Spiegel steckt,
  • der grinst, wenn man das Kinn vorreckt,
  • der von jeder Geschichte den Schluss verrät,
  • der beim dritten Mal wie ein Hahn aufkräht,
  • der auch gnäd´ge Frau´n ans Kreischen bringt,
  • wenn ein Wort fällt, das so glitschig klingt.
  • Und der Spruch an der Toilettentür stammt auch von mir.
  • Ich beiß´ auf Glas und knirsche laut,
  • und so entsteht die Gänsehaut.
  • Es ist gut, dass niemand weiß,
  • dass ich Rumpelstilzchen heiß.
  • Hemba – hemba hé
  • Hemba – hemba hé

 

  • Am Bahndamm, wo der Zug verkehrt,
  • der von Schilda nach Schlaraffia fährt,
  • wo Kinder ihre Höhlen baun,
  • weil sie sich nicht nach Hause traun,
  • wo der Rattenfänger von Hameln pfeift,
  • wo der Ziegenjunker der Scheren schleift,
  • wo der Wind durch tote Autos fegt,
  • wo der bucklige Oskar die Trommel schlägt,
  • da zünde ich am Abend dann mein Feuer an.
  • Ich tanze bis der Mond aufgeht,
  • und sing´ dazu mein altes Lied:
  • Es ist gut, dass niemand weiß,
  • dass ich Rumpelstilzchen heiß.
  • Hemba – hemba hé
  • Hemba – hemba hé

 

 

vor 7 Jahren
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„Ein schlechter Lehrer bietet die Wahrheit an, doch der gute lehrt, wie man sie findet.“
(Adolph Diesterweg; * 29. Oktober 1790; † 7. Juli 1866)