MrSpinnert von MrSpinnert, vor 2 Monaten
Rumänien: Virus trifft auf kranken Staat

Wie krank das Gesundheitssystem in Rumänien ist, dazu reicht eine Nachricht: Am 15. November brach ein Feuer auf der Covid-19 Station des Krankenhauses in Piatra Neamt aus. Zehn Menschen verbrannten. Ein Arzt wurde schwer verletzt, als er versuchte, die an Beatmungsgeräte angeschlossenen Patienten herauszuholen.

Die Ursache des Feuers war ein Kurzschluss auf einer improvisierten Intensiv-Station - eine verzweifelte Aktion der Ärzte, um nicht so viele Kranke abweisen und zum Sterben nach Hause schicken zu müssen …
10 000 Neuinfektionen pro Tag – dem Gesundheitssystem droht der Zusammenbruch. Die Sterblichkeitsrate auf den Intensiv-Stationen liegt zwischen 70 und 90 Prozent, höher als irgendwo sonst in der EU. Es fehlt an Geräten, an Medikamenten, an Ärzten. Seit Jahren verlassen sie zu tausenden das Land, weil ihre Bezahlung unterirdisch und die Ausstattung der Kliniken miserabel ist. Über Jahrzehnte hat der Staat zu wenig Geld investiert und das wenige Geld, das er hat, verschwindet in den Taschen korrupter Klinik-Chefs.
Das Misstrauen der Rumänen gegenüber dem Staat sitzt tief: 30% der Bevölkerung bezweifeln die Existenz des Virus. Viele retten sich in die Arme der orthodoxen Kirche, die an ihren Gottesdiensten und Wallfahrten mit hunderten Gläubigen festhält, als gäbe es keine Pandemie.

Rumänien: Virus trifft auf kranken Staat | ARTE Reportage