Inzest – Das Schweigen brechen
Steffy war 13 Jahre alt, als sie den Mut fand, über den Missbrauch durch ihren Vater zu sprechen. Durch die Enthüllung zerbrach ihre Familie. Heute kämpft die 26-Jährige mit den Waffen ihrer Generation dafür, dass die Opfer das Schweigen brechen und Gehör finden. Die Dokumentation zeigt zudem die Grenzen und das Versagen der Institutionen beim Umgang mit Kindesmissbrauch auf.
2021 veröffentlichte die damals 24-jährige Steffy in den sozialen Netzwerken ein Video, in dem sie das Schicksal ihres kleinen Bruders Carl schilderte, der genau wie sie vom Vater missbraucht worden war. Carl nahm sich im Alter von zwölf Jahren das Leben.
Diese schmerzliche Familiengeschichte prägte die junge Frau zutiefst. Nachdem sie das familiäre Tabu gebrochen und gegen ihren Vater ausgesagt hat, nachdem sie alles versucht hat, um ihren kleinen Bruder vor dem Schlimmsten zu bewahren, will Steffy heute andere Missbrauchsopfer begleiten und unterstützen. Sie kämpft dafür, dass die Gesetze geändert werden, damit minderjährige Opfer sexueller Gewalt mehr Gehör finden. Mit ihrem Verein steht sie traumatisierten jungen Menschen wie Yanis und Enola juristisch und psychologisch bei und vermittelt nützliche Kontakte zu Hilfseinrichtungen. Sie appelliert an Abgeordnete, Senatoren und Rechtsanwälte, sich für gefährdete Kinder einzusetzen und auf die Institutionen einzuwirken. Steffy studiert Jura und hat schon heute ein klar umrissenes Ziel: Das Sorgerecht muss geändert werden, damit ein des Missbrauchs schuldiges Elternteil nie wieder Kontakt zu seinen Kindern haben darf.
Sehr einfühlsam zeigt die Dokumentation, wie Steffy ihr Privatleben als Mutter einer kleinen Tochter mit ihrem öffentlichen Engagement und ihrem Kampf für Gerechtigkeit miteinander in Einklang bringt. Persönliches Archivmaterial und erschütternde Berichte von Betroffenen verdeutlichen die Grenzen der Institutionen beim Umgang mit Kindesmissbrauch.
Inzest – Das Schweigen brechen | Doku HD | ARTE
Dokumentation von Stéphanie Pillonca (F 2025, 52 Min)