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Wie der Narr zum Symbol der Freiheit wurde
Wie der Narr zum Symbol der Freiheit wurde
Verrücktes Verhalten galt nicht immer als ein Fall für die Medizin. Die Figur des Narren hatte in der Zeit zwischen Mittelalter und Renaissance einen festen Platz in der Gesellschaft und war allgegenwärtig in der Kunst. Der Narr verkörperte zahlreiche Ängste, die Europa im Zeitalter der großen Entdeckungen und angesichts der religiösen Spaltungen verunsicherten.
Zwischen Mittelalter und Renaissance verlor die westliche Welt innerhalb weniger Jahre ihre bisherigen Orientierungspunkte. Die Erfindung des Buchdrucks, das Erstarken religiöser Intoleranz, die Reformation und die Entwicklung von Kapitalismus und Bourgeoisie brachten eine von ständigem Wandel geprägte neue Welt hervor. Die großen Entdeckungen bahnten dem Fortschritt den Weg, erzeugten aber auch starke Verunsicherung. Der Narr brachte all diese Widersprüche auf den Punkt und wurde damit zum Vorboten der aufkeimenden Moderne.
Er ist der Held in Erasmus von Rotterdams Werk "Lob der Torheit" (1511) und sein Motiv durchzieht Victor Hugos Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" (1831). Obwohl die Forschung sich dieser Figur angenommen hat, ist über den Narren als zentrale Gestalt der europäischen Kultur noch immer erstaunlich wenig bekannt.
Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel der Ältere machten den Narren zu einem wiederkehrenden Motiv ihrer Malerei. Doch der eigentliche Ursprung der Figur liegt im Christentum. Von der Kirche als Inbegriff der Ketzerei und der Ungläubigkeit stigmatisiert, wurde der Narr zum Sonderling und Ausgestoßenen und nahm allmählich politischere Züge an: Er stellte sich den Mächtigen entgegen, streute Sand ins Getriebe und brachte in seiner Andersartigkeit ein zutiefst menschliches Verlangen nach Freiheit und Wahrheit zum Ausdruck.
Wie der Narr zum Symbol der Freiheit wurde | Doku HD | ARTE
Doku (F 2023, 53 Min)



