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MrSpinnert vor 14 Jahren
Eine kleine Gutenachtmusik
Georg Kreisler – Eine kleine Gutenachtmusik Von der Platte „Kreislers Purzelbäume“ von 1975 Hingegen wenn man kultiviert ist – Wie schön in Konzerte zu geh’n! Dort zeigt man wie gut man dressiert ist Und auch sonst ist so manches zu seh’n . . . Man geht ja nicht hin weg’n der hohen Kultur Weil sonst ginge man schleunigst zurück Auch nicht zum Vergnügen, ja gar keine Spur! Und schon gar nicht wegen der Musik! Man geht heutzutage ins Konzert Weil man dort verschiedenes erfährt: Erstens ist man dort irgendwo Und trotzdem nirgendwo Man gilt als künstlerisch und doch solid – Wer ins Konzert geht hat es schon zu was gebracht! Mozart, gut geübt Ist beliebt Weil er nie plötzlich in Gespräche kracht – Ja der Wolferl Amadeus hat sich noch beim Komponieren was gedacht! So sitzt ’mer da und schaut herum Auf das and’re Publikum Gruppiert’s im Geiste um Und wenn das laute Tuten, Blasen, Fiedeln, Lärmen zu sehr stört Dann redet man sein eigenes Konzert! Übergeh’n wir die paar Leut’ die den Mozart hör’n woll’n Man kennt sie dran, dass sie die Augen schließen weil sie sich dann angeblich mehr konzentrier’n Frau Schmidt trägt heut’ Reseda – Die Haut schaut aus wie Leder Frau Meyer trägt das Gelbe – Seit Monaten dasselbe Auch Herr Blau Weiß genau Warum er im Konzert ist, nämlich wegen seiner Frau Frau Stein trägt den Chinchilla – Die Tochter ist in Lila Das Söhnchen – ach du Loser – Ist heute ganz in Rosa Nur Herr List Blickt ganz trist Weil die Harfinistin in der Hoffnung von ihm ist So schaut man rundherum im Saal Und sammelt neues Material Mit Kennerblick Über Mozarts kleine Nachtmusik! Meistens ist bei Mozart ein Konzert Ausverkauft und immer sehr begehrt Da drüben der Herr Mandel Bespricht an miesen Handel Frau Kraus ist mit Herrn Kober – Das geht schon seit Oktober Herr Schulz ist mit Soubrette Herr Lutz rennt zur Toilette Herr Koch und Fräulein Griebe Besprechen ihre Triebe Herr Rauter schaltet weise Sein Hörgerät auf „leise“ Herr Drechsel Schreibt an Wechsel Herr Unger hat scho Hunger Man fragt sich nur, warum braucht man Musik dazu Bei jedem richtigen Konzert Ist Musik ein Fremdkörper der stört Mozart kann noch erträglich sein Auch Bach kann möglich sein Hingegen Beethoven ist schon zu laut Doch Bruckner, Brahms und Gustav Mahler lenken ab Und ich finde mit Hindemith Geht man auf jeden Fall schon viel zu weit! Ganz zu schweigen von Banausen Wie Stockhausen Oder Schönberg oder Eck! Die müssen weg! Die sind nicht fein! Im Konzert kann ich nicht schrei’n! Modern bin ich allein – Strawinski macht mich krank! Dasselbe gilt für Orff – Dass der das dorf! Drum wenn man Modernes spielt will kein Mensch mehr hingeh’n Bis auf die Leute die die Augen schließen, weil sie sich dann angeblich mehr konzentrier’n Doch nirgends ein Herr Mandel Mit einem miesen Handel Frau Stein ist samt Chinchilla Daheim in ihrer Villa Auch Frau Kraus Bleibt zu Haus Statt die Scheidung zu riskier’n, wie bei Bach und Johann Strauss Herr Schulz geht früh zu Bette Statt aus mit der Soubrette Es schaltet auch Herr Rauter Sein Hörgerät auf „lauter“ Jedermann Denkt dann dran Dass Musik auch protestierend und rebellisch wirken kann Am Ende merkt man noch, oh Graus Musik klärt auf und sagt was aus Und stürmt das Haus! Aber noch ha’m wir ja Mozarts kleine Nachtmusik Zum hundertzwölften Male Mozarts kleine Nachtmusik Die Welt bleibt heil! Die Kunst greift nicht ins Leben ein, im Gegenteil! Die Kunst soll niemand reizen, darin liegt ihr Reiz! – Applaus allerseits –

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