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MrSpinnert vor 10 Jahren
Stefan Waghubinger: Außergewöhnliche Belastungen

Österreichisches Jammern und Nörgeln mit deutscher Gründlichkeit und das auf höchstem sprachlichen Niveau und höchst unterhaltsam – das ist Stefan Waghubingers Kernkompetenz.

Stefan Waghubinger: Außergewöhnliche Belastungen

Der gebürtige Österreicher Waghubinger wollte eigentlich ein neues Kabarett-Programm schreiben, mit dem er endlich die Welt erklärt, kam aber leider nicht dazu, denn da wartet noch: die Steuererklärung. Wie ärgerlich: Das ganze Jahr über Unsinn gemacht und jetzt muss er ihn auch noch versteuern. Aus lauter Frust darüber erledigt er die lästige Bürokratie kurzerhand auf der Bühne und lässt seinen Ärger am Publikum aus.
Aber Waghubinger ist nur scheinbar jemand, der sich an Kleinigkeiten stört. Gekonnt spielt er den nörgelnden Biedermann und denkt doch stets in großen Zusammenhängen. Und bringt nach gefühlten 100 Ecken am Ende jeden Gedanken pointiert und meist bittersüß zum Abschluss.

Stefan Waghubinger wächst in einem kleinen Dorf im Steyrtal auf. 1978 zieht es ihn erstmals auf die Bühne: Als Josef gibt er im Weihnachtsstück der Grundschule sein Kabarett-Debüt. Unverschuldet stolpert er, fällt hin und bekommt dafür erste Lacher und Szenenapplaus. Doch es sollte noch über 30 Jahre dauern, bis er seiner wahren Berufung als Kabarettist folgt. Zunächst wird Stefan Waghubinger studierter Theologe und Theaterpädagoge. Seit 1997 schreibt er Kinderbücher und zeichnet Cartoons, erste Schritte in Richtung in Richtung Kabarett. 2009 tourt er dann mit seinem ersten Programm „Langsam werd ich ungemütlich“ und wird dafür vielfach mit Preisen bedacht.

Kindheits- und Elterntraumata

In seinem neuen Programm nimmt Waghubinger etwas so Nüchternes wie die eigene Steuererklärung zum Anlass, über das Leben, die Liebe, Gott und die Welt zu philosophieren. Dabei schweift er immer wieder wunderbar ab und kommt so manches Mal zu abwegig-amüsanten Schlussfolgerungen. Von Geschichten aus der Kindheit – ein gestrickter Star Trek-Pullover löste hier ein beträchtliches Trauma aus – über Erfahrungen mit den eigenen Kindern – darf Ken Barbie die Koffer hinterher tragen? In scheinbar Belanglosem findet Waghubinger immer einen Weg, zu abstrahieren, aufs große Ganze hinzuweisen und mit oft tiefschwarzem Humor geistreiche Gedanken zu formulieren.

Die äußere Anmutung eines zerstreuten Professors ist nicht weit hergeholt: Waghubinger ist Mitglied bei Mensa, dem Netzwerk für Hochbegabte. Sein liebstes Mittel zum Zweck scheinen verbale Spitzfindigkeiten zu sein, das Spiel mit der Sprache, an dem man auch als Zuschauer diebische Freude hat: „Man muss aufpassen, dass man seine Meinung nicht falsch ausspricht“ ist nur ein Beispiel seiner Sätze mit doppeltem Boden.

Zur Steuererklärung kommt man mit Waghubiger sicher nicht, aber zum Nachdenken und zum Lachen gleichermaßen.

Stefan Waghubinger: Außergewöhnliche Belastungen | 3satfestival 2016

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