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Psychisch krank und polizeibekannt: Warum greift niemand ein? | exactly
Psychisch krank und polizeibekannt: Warum greift niemand ein? | exactly
Gewalt durch psychisch kranke Menschen: Wie groß ist die Gefahr? Die Reportage zeigt einen Fall aus Leipzig und fragt, wann Psychose und Schizophrenie gefährlich werden und ob das Hilfesystem versagt.
Gewalt durch psychisch erkrankte Menschen sorgt nach schweren Straftaten immer wieder für Diskussionen. Doch wie groß ist die Gefahr tatsächlich? Und erkennt das Hilfesystem rechtzeitig, wenn aus einer schweren Erkrankung ein Risiko für andere werden könnte? Welche Hilfe erhalten Betroffene und Angehörige, bevor eine Eskalation droht?
Wie gefährlich sind psychisch kranke Menschen?
Die Amokfahrt in Leipzig Anfang Mai, bei der zwei Menschen starben, hat erneut eine Frage aufgeworfen: Wie gefährlich sind psychisch kranke Menschen und wie lässt sich frühzeitig erkennen, ob von jemandem eine Gefahr für solche Taten ausgeht? Der Täter von Leipzig soll an einer Psychose gelitten haben. Kurz vor der Tat war er in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden. Nach solchen Fällen wächst häufig die Angst in der Bevölkerung, und die Frage nach möglichen Warnsignalen rückt in den Fokus.
Ein Fall abseits der Schlagzeilen
Der Film beschäftigt sich mit einem Fall abseits der großen Schlagzeilen. Vor dem Landgericht Leipzig musste sich im Sommer eine 39-jährige Frau verantworten. Ihr wurden mindestens zehn teils schwere Körperverletzungen vorgeworfen. Immer wieder soll sie ahnungslose Menschen unvermittelt angegriffen haben. Mehrere Opfer berichteten von den Attacken. Die Frau leidet an paranoider Schizophrenie. Das Gericht ordnete schließlich ihre Unterbringung im Maßregelvollzug an, eine Einrichtung für psychisch kranke Straftäter. Der Prozess wirft Fragen danach auf welche Möglichkeiten Behörden haben, frühzeitig einzugreifen.
Eine Debatte zwischen Freiheit und Sicherheit
Seit rund zweieinhalb Jahren wird die Frage nach Gewalt durch psychisch erkrankte Menschen verstärkt in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen diskutiert, zum Beispiel auf dem Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) .
Die Debatte bewege sich im Spannungsfeld zwischen den Grundrechten des Einzelnen und möglichen Zwangsmaßnahmen zum Schutz der Allgemeinheit.
Wo liegen die Lücken im System?
exactly fragt: wie kann verhindert werden, dass Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und erhöhtem Risiko durchs Raster fallen? Welche Hilfe steht Betroffenen zur Verfügung und an welchen Stellen stößt das System an seine Grenzen?
Psychisch krank und polizeibekannt: Warum greift niemand ein? | Doku | exactly
Ein Film von Knud Vetten.
00:00 Intro
01:20 hasserfüllt und gewalttätig – Moritz wurde von einer psychotischen Frau attackiert
02:52 Der Fall Melanie – Vorwurf von mindestens zehn teils schweren Körperverletzungen
03:54 Wann kann aus einer Psychose Gewalt werden? – Interview mit Psychiater Thomas Pollmächer
05:10 Opfer von Melanie, Olga Kind, berichtet von dem Angriff auf sie am Hauptbahnhof Leipzig
07:45 Der Hilfebus in Leipzig: Streetworker und Psychiater helfen direkt auf der Straße
09:33 Amokfahrt und Messerattacken – Rückblick auf Extremfälle mit Todesfolgen
11:16 Stimmen auf einem Fachkongress für Psychiatrie in Berlin
14:34 Cannabis-induzierter Psychose ohne Krankheitseinsicht – Ellen S. über ihren Sohn
18:24 Jeremys Geschichte – Ecstasy, LSD, Schizophrenie, Klinik
21:52 Leben mit paranoider Schizophrenie – Buchautor Klaus Gauger berichtet
24:30 Melanies Gerichtsurteil – wie konnte sie durch das Raster fallen?
26:19 Ein Angriff mit Folgen – Anonymes Opfer von Melanie berichtet von psychischen und körperlichen Schäden
27:40 „Ich habe Mitleid“ –Moritz über seine Angreiferin Melanie
28:48 Fazit
Team:
Ein Film von: Knud Vetten
Kamera: Finn Wittig, Matthias Müller, Fabian Thomm
Schnitt: Pierre Brandt
Ton: Jolie Dirksmeier
Grafik: Karsten Zinner, Bernd Tradler
Faktencheck: Ronny Arnold
Aufnahmeleitung: Egon Holzer, Hendryk Beyer
Produktionsleitung: Maja Brömel
Redaktionsassistenz: Laura Krodel
Redaktion: Kristina Ehrlich
Redaktionsleitung: Jörg Wildermuth
Eine Produktion der defacto Medienagentur im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks.