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MrSpinnert von MrSpinnert, vor 8 Jahren
Lyrik für Alle – Folge 86

In der 86. Folge von Lyrik für Alle rezitiert Lutz Görner Gedichte von Arthur Rimbaud.

Jean Nicolas Arthur Rimbaud (* 20. Oktober 1854 in Charleville; † 10. November 1891 in Marseille) war ein französischer Dichter, Abenteurer und Geschäftsmann. Heute gilt er als einer der Großen der französischen Lyrik.

Rimbaud, der sich zu Hause unter Druck und fehl am Platz fühlte, folgte sofort und wurde aufgenommen von Verlaine und seiner hochschwangeren Frau Mathilde. Verlaine hatte zwar gerade als Sympathisant der Kommune seine Anstellung bei der Pariser Stadtverwaltung verloren, war aber dank seiner wohlhabenden verwitweten Mutter nicht mittellos. Als im Oktober Mathilde niederkam, wurde Rimbaud umquartiert zu deren Eltern, wo der knapp 17-Jährige sich allerdings durch betont flegelhaftes Betragen so unbeliebt machte, dass er zu Freunden Verlaines umziehen musste, die er jeweils auch verärgerte.

Nach Paris mitgebracht hatte er unter anderem sein 100 Verse langes Gedicht Le Bateau ivre/ Das trunkene Schiff, das sein berühmtestes Werk werden sollte. Dieser surrealistisch wirkende Text, in dem das lyrische Ich als ein Schiff auftritt, das in eindrucksvollen Bildern von einer traumartigen Reise steuerlosen Dahintreibens erzählt, verschaffte dem jugendlichen Autor die sofortige Bewunderung des Kreises meist jüngerer (politisch eher „linker“) Literaten, in den er von Verlaine eingeführt wurde. Daneben schrieb er weitere Gedichte, darunter politisch motivierte, sowie zum Spaß auch einige Parodien im Stil seiner neuen Bekannten (erhalten in einem Sammelalbum des Kreises, dem sog. Album zutique). Die meisten Texte dieser Zeit, insbesondere das Bateau ivre, sind nur dadurch erhalten, dass Verlaine sie für sich abschrieb.

Spätestens gegen Jahresende entwickelte sich ein sexuelles Verhältnis zwischen Rimbaud und Verlaine. Dessen Frau, Schwiegereltern und Mutter waren empört, etliche Bekannte offenbar auch. Rimbaud zog sich deshalb Ende Februar 1872 wie ein Verstoßener zurück nach Charleville bzw. nach Roche, wo sich seine Familie jetzt immer häufiger aufhielt. Die nach dieser Art Flucht verfassten Gedichte zeugen von seiner Enttäuschung und Verunsicherung. Sie vollziehen zugleich einen weiteren Schritt zu hermetischen, mitunter sinnfrei wirkenden Texten und lösen sich zunehmend von den Zwängen formell korrekter Metrik und Reimens.

Im Mai 1872 folgte Rimbaud den Bitten Verlaines und kam wieder nach Paris. Ein paar Wochen später, am 7. Juli 1872, brachen die beiden, zunächst offenbar in Hochstimmung, Richtung Nordosten auf. Es war der Beginn eines einjährigen wechselvollen Wanderlebens, meistens zu zweit, aber immer wieder auch, nach Streitereien, getrennt. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie anscheinend überwiegend mit Zuwendungen ihrer Mütter.

So waren sie im Herbst 1872, nach einer Stippvisite in Charleville und einem gescheiterten Versöhnungsversuch Verlaines mit seiner Frau, längere Zeit in London, wo sie unter emigrierten Kommunarden verkehrten. Hier schrieb Rimbaud wohl seine letzten Gedichte in Versform und schwenkte um auf Prosa, die ihm nun sichtlich als die angemessenere Form für die zunehmend unkonkreten Inhalte seiner Texte erschien. Wahrscheinlich entstanden in dieser Zeit erste Stücke der späteren Sammlung Illuminations.

Die Jahreswende 1872/1873 verbrachte er bei seiner Familie in Charleville, reiste im Januar jedoch auf Kosten der Mutter von Verlaine nach London, um den dort erkrankten Freund zu pflegen. Im April findet man ihn in Roche, im Mai und Juni wieder mit Verlaine in London

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