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MrSpinnert vor 8 Monaten
Georg Mascolo (Investigativ-Journalist) zu Gast bei Jörg Thadeusz

In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit dem Investigativ-Journalisten Georg Mascolo über den Abend des Mauerfalls sowie über tiefgreifende Fehler der deutschen Russlandpolitik und deren historische Konsequenzen.

„Unsere Reaktion fällt beständig schwach aus“, bilanziert der frühere Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo die deutsche Russlandpolitik. Natürlich müsse man mit Russland und Wladimir Putin sprechen, gleichzeitig müsse aber auch die „erhebliche politische und ökonomische Macht“ dieses Landes eingesetzt werden, wenn die Gespräche erfolglos blieben. „Krieg in der Ukraine, Annexion der Krim, Vergiftung und Ermordung von Oppositionellen. Wir finden keinen Weg, tatsächlich Konsequenzen aufzuzeigen,“ so Mascolo.

Zwar habe es frühzeitig Warnungen von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten gegeben, diese seien jedoch politisch ignoriert oder relativiert worden. Informationen hätten vorgelegen, jedoch ohne spürbare Folgen für die deutsche Politik.

Kritisch äußert sich Mascolo auch zur Russlandpolitik der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe Putin früh durchschaut, dennoch seien zentrale Entscheidungen, etwa der Bau von Nord Stream 2, weiterverfolgt worden. Das eigentliche Rätsel sei, so Mascolo, warum trotz klarer Erkenntnisse so wenig Handeln folgte: „Wenn man so viel so früh erkannt hat und sich nicht getäuscht hat – wieso ist so vieles ausgeblieben?“ Selbstkritisch räumt Mascolo, der 2014 als „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ein, dass auch die Medien Fehler gemacht hätten. So hätte man sich unter anderem zu wenig für die Ukraine interessiert. Das Land sei jahrelang nicht ausreichend „journalistisch gewürdigt“ worden. Damit, so Mascolo, gehe auch er nach Hause.

In einem weiteren Teil des Gesprächs schildert Mascolo seine persönlichen Erlebnisse am Abend des Mauerfalls 1989. Als junger Reporter sei er damals am Grenzübergang Bornholmer Straße gewesen. Unter dem Druck tausender Menschen hätten die Grenzbeamten den Schlagbaum geöffnet. Das sei, so Mascolo, der schönste und erhabenste Moment seines Berufslebens gewesen, der ihn bis heute präge: „Nur einmal im Leben sehen zu können, wie es aussieht, wenn in einer Diktatur die Angst die Seiten wechselt. Wenn diejenigen, die unterdrückt worden sind, keine Angst mehr haben und diejenigen, die unterdrückt haben, letztlich auch nicht mehr wissen, wie sie die Diktatur verteidigen und erhalten sollen.“

Die Erfahrung der Wendezeit sei für ihn bis heute Mahnung und Hoffnung zugleich – dafür, wie schnell sich politische Wirklichkeiten verändern können.

Georg Mascolo (Investigativ-Journalist) zu Gast bei Jörg Thadeusz

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