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MrSpinnert vor 3 Monaten
Die Schlangenfänger von Cocullo

Cocullo, im Herzen Italiens. Nicht einmal 250 Einwohner leben in dem Dorf in den Abruzzen. Doch jedes Jahr am 1. Mai strömen Tausende Menschen durch die Gassen: In einer einzigartigen Prozession wird eine Statue des heiligen Dominikus durch den Ort getragen – dekoriert mit Dutzenden lebenden Nattern. Woher kommen die Schlangen? Ist ein solches Ritual heute noch zeitgemäß?

Gianluca Ricci ist ein typischer Serparo, wie man in Cocullo einen Schlangenfänger nennt. Wie man die scheuen Tiere aufspürt, hat er von seinem Vater gelernt. Tagelang kraxelt der 19-Jährige durch die Abruzzen und stöbert die Tiere unter Felsen auf. Ohne Serparo wie Gianluca würde es das legendäre Schlangenfest nicht geben. Er trägt die Tiere, sämtlich ungiftige Nattern, nach Hause, wo er sie in Säcken bis zum Fest aufbewahrt. Was fasziniert den jungen Mann an den Reptilien, vor denen sich die meisten Menschen fürchten?
Ohne das Schlangenfest wäre Cocullo längst in Vergessenheit geraten. Von einst mehr als 1.000 Einwohnern sind nur noch knapp 250 übrig. Auch Gianluca wird die Gegend schon bald verlassen, um in Rom bei den Carabinieri zu arbeiten. Wenigstens denkt er darüber nach, eines Tages als Forstpolizist zurückzukehren. Bürgermeister Sandro Chiocchio ist sich der Bedeutung des alten Brauchs für den Ort bewusst: Am 1. Mai explodiert die Zahl der Besucher. Zwischen 10.000 und 20.000 Touristen und Pilger aus aller Welt strömen durch die engen Gassen des Ortes. Hotels und Pensionen sind ausgebucht.

Doch bedeutet der Brauch nicht auch Stress für die Schlangen? Bevor sie auf die Statue des heiligen Dominikus gelegt werden, wird jede von Tierarzt Jairo Mendoza untersucht. Kranke Tiere werden behandelt und wieder ausgesetzt, gesunde Schlangen nach der Prozession. Den Kriechtieren scheint das nicht zu schaden. Da jede Schlange mit einem Chip versehen wird, weiß man, dass einige schon mehrmals beim Schlangenfest von Cocullo dabei waren.

Die Schlangenfänger von Cocullo | ARTE Re:
Reportage (D 2026, 30 Min)

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