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MrSpinnert 5 Stunden her
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Warum Rechtsaußen von Wirtschaftskrisen profitiert

„Pleitewelle“, „Deindustrialisierung“ – in den vergangenen Wochen hat es zur deutschen Wirtschaft zunehmend schlechte Nachrichten gegeben. Mirko Drotschmann erklärt, wie sich Strukturwandel und Wirtschaftskrisen in Wahlergebnissen niederschlagen können.

Wie wirken sich wirtschaftliche Krisen auf Wahlergebnisse und auf das Vertrauen in demokratische Institutionen aus?
Zu dem Thema gibt es eine Menge von Forschungsarbeiten. Die Mehrheit kommt zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftlichen Bedingungen einen wichtigen Einfluss haben. Wenn die Wirtschaft nicht wächst oder es hohe Inflation gibt, werden bei Wahlen oft die Amtsinhaber abgestraft. Lange Zeit ging man davon aus, dass wirtschaftlich Benachteiligte dann vor allem linke Parteien wählen – schließlich stehen diese in der Regel für Umverteilung und sozialen Ausgleich. Tatsächlich profitieren aber vor allem nationalistische und rechtspopulistische Parteien. Laut einer Studie, die Wahlen in 20 Industrienationen in knapp 150 Jahren untersucht, legten Rechtsaußen-Parteien in den fünf Jahren nach Finanzkrisen im Schnitt um 30 Prozent zu.

„Wer wirtschaftlich absteigt oder arbeitslos wird, wählt rechts“?

Die Erklärung greift zu kurz. Studien zufolge spielt bei Wahlen die gesamtwirtschaftliche Lage eine größere Rolle als die individuelle Situation. Laut einer ifo-Untersuchung profitierten radikale Parteien und besonders die AfD in wirtschaftlich abgehängten Regionen über alle Einkommensgruppen hinweg – also nicht nur bei denen, die ganz konkret von Armut, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Abstieg betroffen waren. Für Wähler scheine es unabhängig von der eigenen wirtschaftlichen Situation von Bedeutung zu sein, wie sie die Entwicklung ihrer Region und ihres unmittelbaren wirtschaftlichen Umfelds wahrnehmen.

Ist das ein deutsches Phänomen?

Dass Populisten und rechtsradikale Kräfte von Wirtschaftskrisen oder Strukturwandel profitieren, zeigen auch Beispiele aus anderen Ländern: Der sogenannte „Rust Belt“ – also „Rostgürtel“ – im Nordosten der USA war früher eine erfolgreiche Industrieregion, geriet durch den Niedergang der Stahlindustrie aber in eine schwere Krise. Damit wurde ein fruchtbarer Boden für politische Radikalisierung geschaffen. Staaten wie Pennsylvania, Michigan und Wisconsin waren früher demokratische Hochburgen – 2016 und 2024 stimmten sie mehrheitlich für Donald Trump und trugen damit entscheidend zu seinen Wahlsiegen bei. Auch die britischen Midlands und Regionen in Nordfrankreich waren von Deindustrialisierung betroffen – und auch dort feierte der rechte politische Rand Erfolge.

Warum Rechtsaußen von Wirtschaftskrisen profitiert